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	<title>hausdrachen . házisárkány &#187; Stöckelschuhe</title>
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	<description>Hysterische Frauen an die Macht! . Hatalmat a hisztérikus nőknek!</description>
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		<title>Fünf Minuten</title>
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		<pubDate>Tue, 13 Dec 2011 08:51:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Réka Kincses</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich wusste sofort, dass etwas nicht in Ordnung war, als ich sie früh morgens vor dem Spiegel vorfand, wie sie sich die Haare toupierte. „Ich habe schon Wehen“ – bemerkte sie, wie nebenbei, nahm ein Haarbüschel nach dem anderen zwischen die Finger und  kämmte sie mit energischen Bewegungen, bis jedes einzelne Haar zu Berge stand.<br />
„Tut es sehr weh?“ – fragte ich besorgt, aber sie zuckte die Achseln, nahm einen Lippenstift und zog  sich die Lippen knallrot. „Nöö. Zieht nur ein bisschen.“  Sie strahlte eine Entspanntheit aus, als wäre die Geburt kaum mehr als eine langweilige Routineuntersuchung beim Zahnarzt, wo der am Ende sowieso keinen kaputten Zahn findet.  Mein Vater lief im Wohnzimmer nervös auf- und ab.<br />
 „Ist es nicht ein bisschen  zu früh?“<br />
„Doch. Zwei Monate zu früh“ – sagte meine Mutter und es klang wie eine sehr gute Nachricht.<br />
Mein Vater wurde noch unruhiger.<br />
„Soll ich schon mal den Krankenwagen rufen?“<br />
„Quatsch. Ich bin noch nicht fertig mit dem Schminken.“<br />
Ich setzte mich auf die Toilette und beobachtete meine Mutter, die seit Monaten das erste Mal gut gelaunt war. Ab- und an zuckte sie ein wenig zusammen, aber sie schminkte sich gründlich zu Ende, zog ihre schwarzen Lackschuhe an, ihr schickes Schwangerenkleid, das sie extra hatte nähen lassen von unserer buckeligen Näherin, wahrscheinlich für diesen Tag. Ihre Absätze waren ungefähr so hoch wie der Stiel meiner Tischlampe. Sie verließ mit eleganten Schritten das Bad, blieb im Wohnzimmer stehen und sagte:<br />
„Jetzt kannst du ein Taxi rufen. Das sind schon die Presswehen.“<br />
„Presswehen“- dieses Wort hat sich bei mir eingebrannt und ich fragte mich damals schon, ob das nicht etwas mit Pressen zu tun haben müsse, aber meine Mutter sah gar nicht nach „pressen“ aus. Sie stand ganz entspannt herum und wartete.</p>
<p>Als ich dreißig Jahre später  in den Presswehen lag und trotz monatelanger „Atmen- und Tönen während der Geburt“ Kurse, wie ein Schwein schrie und mich drei Leute festhalten mussten,  da sah ich meine Mutter in schwarzen Stöckelschuhen vor mir, voll geschminkt und entspannt, und habe mich so gewundert, dass die Wehen sofort aussetzten und eine Stunde wegblieben.  Ich saß im Geburtshaus im Bett, aß Erdbeeren und konnte mit dem Finger den Kopf meines Kindes schon spüren. Ich war fest entschlossen keine einzige Wehe mehr zuzulassen und hier bis in die Unendlichkeit Erdbeeren zu essen, als die Hebamme mit bedrohlicher Stimme zu mir sagte:<br />
„Steh auf!“<br />
„Nein, will ich nicht“<br />
„Steh bitte auf, die Wehen müssen wiederkommen.“<br />
„Nein, es tut zu doll weh“<br />
„Geburt tut weh.“ – sagte die Hebamme ernst und ich fragte mich warum mir meine Mutter immer gesagt hat, sie würde gar nicht weh tun.</p>
<p>Nachdem meine Eltern mit der Taxi wegfuhren, gab mir mein Opa Frühstück. Er sagte, wenn wir Glück haben, ist das Baby vielleicht schon am Nachmittag da, wenn ich aus der Schule komme. Dann half er mir beim Anziehen und machte mir die Pausenbrote, und als wir losgehen wollten, sahen wir meinen Vater durch den Hof nach Hause laufen.<br />
„Sie ist da, es ist ein Schwesterchen“ – sagte er und strahlte – „Bisschen klein, aber ganz gesund!“</p>
<p>Als sie beim Krankenhaus ankamen, das heißt, fünf Minuten nachdem sie losgefahren sind,  war der Kopf meiner Schwester schon draußen. Während sie meine Mutter die Treppen hochtrugen, kam der Rest. Meine Schwester wurde geboren noch bevor jemand es geschafft hätte meiner Mutter die Stöckelschuhe auszuziehen.<br />
Sie hat meine Schwester in fünf Minuten offizieller Geburtszeit zur Welt gebracht. Nicht mal ihre Frisur ist dabei kaputtgegangen.</p>
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