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	<title>hausdrachen . házisárkány &#187; babypause</title>
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	<description>Hysterische Frauen an die Macht! . Hatalmat a hisztérikus nőknek!</description>
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		<title>Die Kultur der Angst oder ein ganz normaler Tag in einem staatlichen Krankenhaus</title>
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		<pubDate>Sat, 10 Mar 2012 09:26:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Réka Kincses</dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8220;Guten Morgen, was hätten sie gerne auf ihren Brot?&#8221; Eine kleine, runzelige Frau im lila Kittel steht vor mir und schaut mich mit unruhigem Blick an. Es ist früh morgens, meine Haare stehen in alle Richtungen, ich habe es schon &#8230; <a href="http://www.hausdrachen.net/2012/03/10/die-kultur-der-angst-oder-ein-ganz-normaler-tag-in-einem-staatlichen-krankenhaus/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#8220;Guten Morgen, was hätten sie gerne auf ihren Brot?&#8221;</p>
<p>Eine kleine, runzelige Frau im lila Kittel steht vor mir und schaut mich mit unruhigem Blick an. Es ist früh morgens, meine Haare stehen in alle Richtungen, ich habe es schon wieder vergessen, wo ich bin.</p>
<p>&#8220;Käse? Butter?&#8221;</p>
<p>&#8220;Ähh&#8230; Ich weiß es nicht, ich mache es mir selber drauf.&#8221;</p>
<p>&#8220;Nein, das geht nicht, Sie haben Bettruhe.&#8221; – sagt sie entschieden. Im ersten Moment verstehe in den Zusammenhang nicht.</p>
<p>&#8220;Aber mein Brot kann ich deshalb trotzdem beschmieren.&#8221;</p>
<p>&#8220;Nein, es geht nicht, wir haben kein Tablettsystem und Sie haben Bettruhe&#8230;also was wollen Sie auf ihrem Brot? &#8221;</p>
<p>Sie klingt ungeduldig, wie jemand, die noch sehr viel zu tun hat. Ich versuche mit aller Kraft, die Situation zu begreifen.</p>
<p>&#8220;&#8230;Haben Sie Kaffee?&#8221;</p>
<p>&#8220;Ja, kann ich bringen&#8230;also, was möchten Sie Käse, Wurst?&#8221;</p>
<p>&#8220;Gestern Abend habe ich alles auf einem Tablett bekommen und&#8230;&#8221;</p>
<p>„Ja, aber jetzt geht es nicht, Sie haben Bettruhe.“</p>
<p>Ich weiß immer noch nicht worum es geht. Schließlich klärt sie mich auf:</p>
<p>„Das Büffet steht am Ende des Flures, da muss ich Ihnen die Brote so belegen.“</p>
<p>Jetzt dämmert es mir langsam. Bettruhe heißt hier, dass ich keine dreißig Schritte im langsamen Tempo bis zum Büffet laufen darf um mir selber etwas auszusuchen.</p>
<p>Gestern früh habe ich zehn Minuten lang geblutet und bin schwanger. Eine „dramatische Situation.“, wie ich es alle zehn Minuten zu hören bekomme. Jetzt blute ich nicht mehr und auch dem Baby geht es gut. Heute ist alles besser.</p>
<p>&#8220;&#8230;Dann bringen Sie mir Käse und Marmelade. Und einen Kaffee, bitte.&#8221;</p>
<p>Als sie endlich die nötige Information gekriegt hat, rast sie aus dem Zimmer. Ich bekomme einen Teller mit Scheibenkäse und Supermarktwurst, der Kaffee ähnelt einem lauwarmen Fußwasser aus der Pädiatrie. Zum Automaten darf ich nicht hinlaufen, ich habe ja Bettruhe und einen verkürzten Gebärmutterhals. Den hatte ich auch schon bei meinem ersten Kind und bin trotzdem überall hingelaufen, aber das zählt nicht. Ich habe ja gestern geblutet.</p>
<p>Noch während ich mein Brötchen esse, rast die nächste Schwester ins Zimmer: „Ich soll Sie zur Oberärztin mitnehmen, sie untersucht Sie nochmal&#8230;mit Bett“ – sagt sie zu ihrer Kollegin. Ich merke, dass ich dringend aufs Klo muss, und will aufstehen.</p>
<p>„Nein!“ – schreit die Schwester und hält  mich fest.</p>
<p>„Soll ich ins Bett pullern oder darf ich aufs Klo?“</p>
<p>„Ach so, ich dachte Sie wollen aufstehen“ – sagt sie etwas irritiert.</p>
<p>„Ja, will ich auch, um aufs Klo zu gehen.“ Die Schwestern stehen herum, wie ein Computerprogramm,  das sich kurzfristig aufgehängt hat. Ich sperre mich in die Toilette ein und versuche meine rot gefärbte Haarwucht zu bändigen. Sonderlich frisch sehe ich nicht aus. Irgendwie erinnere ich mich selbst immer öfter an meine armenische Oma, und das hat einen unangenehmen Beigeschmack. Ein Sympathieträger sieht so nicht aus, rabiat und streng mit schlecht gefärbten Haaren, und auch nicht mehr die Jüngste. In Frankreich wäre ich jetzt auch dann eine „Madame“, wenn das „Mademoiselle“ nicht gerade abgeschafft wäre.  Eine Risikoschwangere von 39 Jahren, mit mehreren Abtreibungen hinter sich, die auch noch Attitüden hat und die Cortisonspritze ablehnt&#8230;.Ich sehe mich mit den Augen des Personals und verspreche mir keine glänzende Zukunft in diesem Krankenhaus.</p>
<p>Als ich wieder aus dem Bad komme, ist die Errormeldung bereits aufgehoben, das Programm läuft weiter, und freundlich lächelnde Schwestern schieben das riesige Bett in den Flur, mit mir oben drauf. Die junge Assitenzärztin Namens Anna, die mir gestern „Schulmedizin pur“ versprochen hat, kommt mir lächelnd entgegen und zieht mich höchstpersönlich in den Ultraschallraum.</p>
<p>Die Oberärztin erscheint auch, rötliche Haare, Dauerwelle, offensichtlich hat sie ähnliche Schwierigkeiten, wie ich, ihre Mähne zu bändigen.<br />
Ich werde gebeten mich „unten rum frei zu machen“ und „bequem“ im Gynäkologiestuhl platz zu nehmen. Die Situation hat mit Freiheit und Bequemlichkeit ungefähr so viel zu tun, denke ich, wie Posemuckel, wo ich jetzt wohne, mit den Champs Elysées, wo ich noch viel lieber wohnen würde. Die Oberärztin will die Untersuchung, die schon zwei Mal in zwei verschiedenen Krankenhäusern an einem einzigen Tag unternommen wurde, ein drittes Mal wiederholen um es „selber zu sehen“.</p>
<p>Während ich mit einem Ultraschallstab in der Vagina gefühlte halbe Stunde auf dem Stuhl herumliege und zuhöre, wie die Oberärztin der Assitenzärztin die Plazentalage erklärt (die müssen schließlich auch lernen, dass sehe ich ein), denke ich darüber nach, ob dieses ständige Rumgewühle da unten weniger Stress für meinen „verkürzten Gebärmutterhals“ bedeuten soll, als der ruhige Gang von 30 Metern bis zum nächsten Käsebrot.<br />
Sie probieren am Ultraschall verschiedene Einstellungen aus, die Technikbegeisterung scheint in diesem Fach grenzenlos zu sein.</p>
<p>Nach der Untersuchung, die nichts Neues bringt, werde ich aufgefordert, mich „gemütlich hinzulegen“. Auf meinen Satz hin, dass ich auch gerne sitzen könne, werde ich auf die Dramatik meiner Situation hingewiesen. Also liegen. Die Oberärztin will mit mir über ein bestimmtes Thema reden, und das ist die Cortisonspritze. Diese Spritze, eine Routine bei Risiko auf Frühgeburt, scheint zum Dreh-und Angelpunkt meines Krankenhausaufenthaltes zu werden, seit ich dazu Nein gesagt habe, geht es nur noch darum.<br />
Es ist Teil des Programms, es wird bei Risiko auf Frühgeburt immer angewendet und gehört zum normalen Ablauf. Das haben mir die Assistenzärztin und der Kinderarzt auch schon sehr ausführlich beschrieben, mit plastischen Details von langfristigen Behinderungen, Schlaganfall und Kindstod im gegengesetzten Fall.</p>
<p>„Wenn das Baby jetzt kommt, dann könnte es sein, dass es nicht atmen kann. Ihr Kind ist noch nicht lebensfähig.“</p>
<p>„Es kommt aber noch nicht.“ –erwidere ich stur, von einer inneren Überzeugung getrieben, die ich nicht erklären kann.</p>
<p>„Das können Sie nicht wissen.“</p>
<p>„Sie aber auch nicht.“</p>
<p>„&#8230;Sie müssen bedenken, dass Ihr Kind dann unter Umständen nach der Geburt die ganzen Medikamente bekommen und beatmet werden muss und das wird dann richtig Stress für sie, ein richtiges Trauma&#8230;“ Das Wort „Trauma“ betont sie besonders stark und guckt mich dabei an, als würde auf meiner Stirn eine Statistikkurve mit der Überlebensquote von Frühchen hängen.</p>
<p>„Es geht hier nicht um Sie&#8221; – sagt sie und das war mir bereits klar. „Ich bin jetzt die Anwältin ihres Kindes.“</p>
<p>„Ich glaube viel mehr, dass Sie die Anwältin Ihres Weltbildes sind.“</p>
<p>„&#8230;Sie hatten auch schon fünf &#8230;.“</p>
<p>„Abtreibungen“ – helfe ich nach.</p>
<p>„&#8230;Und wann war das letzte?“</p>
<p>&#8220;1997“ – antworte ich.</p>
<p>&#8220;&#8230;Ich will  ja nur das Beste für Ihr Kind und es ist einfach so, wenn es jetzt zur Welt käme&#8230;“- Bevor sie nochmal das gleiche Horrorszenario schildern kann, falle ich ihr ins Wort.</p>
<p>„Ich habe verstanden worum es geht. Ich gehe nicht davon aus, dass es jetzt zur Welt kommt, vor allem, wenn ich liege.“</p>
<p>„ Wenn ihr Kind jetzt zur Welt kommt&#8230;“</p>
<p>„Es kommt nicht jetzt zur Welt. Ich weiss es.“</p>
<p>Sie schaut mich an, wie einen gefährlichen Irren.</p>
<p>„Ich glaube, Sie verstehen die Dramatik ihrer Situation nicht&#8230;“</p>
<p>&#8220;Ich sehe es nicht so dramatisch.&#8221;</p>
<p>&#8220;&#8230;Ich muss mich einfach auch rechtlich absichern, dass&#8230;&#8221;</p>
<p>„Geben sie es mir einfach schriftlich.“</p>
<p>„Sie hatten fünf Eingriffe, und daher kommt es dass die Plazenta so gewachsen ist, dass das jetzt ein Risiko bedeutet und jetzt geht es darum alles zu tun, dass Ihr Kind möglichst sicher zur Welt kommt.“</p>
<p>„Sie wollen mir jetzt sagen, dass ich selber schuld bin an der Situation.“</p>
<p>„Nein, aber durch die Eingriffe kommen da Veränderungen&#8230;.“</p>
<p>„Ich habe schon ein Kind zur Welt gebracht, da war die Plazenta völlig in Ordnung.“</p>
<p>„Da hatten Sie Glück.“</p>
<p>„Also mit Glück oder Pech hat das auch zu tun.“</p>
<p>„Das schon, aber das Risiko&#8230;“</p>
<p>„Es gibt etliche Frauen mit dem gleichen Befund, die vorher keine Abtreibung hatten.“</p>
<p>„Sie können aber auch im Internet nachlesen, dass statistisch gesehen das Risiko erhöht ist&#8230;“</p>
<p>„Wissen Sie was Sie machen? Sie machen mir Schuldgefühle und jagen mir Angst ein, damit ich alles so mache, wie sie es wollen. Sie sagen, Sie wollen mich nur informieren, aber eigentlich setzen Sie mich mit allen Mitteln unter Druck und versuchen mich psychisch zu erpressen.“</p>
<p>Einen Moment ist sie perplex.</p>
<p>„Ja, ich mache Druck, aber nur im Interesse ihres Kindes&#8230; wenn wir uns irgendwo in einer Praxis treffen würden und die Situation nicht so dramatisch wäre, aber ich muss noch mal betonen, es ist eine dramatische Situation, in der Sie sich befinden.“</p>
<p>„Und Sie glauben, durch mantramäßiges Wiederholen wird so etwas besser? Sie lassen mich keine 30 Meter bis zum Frühstücksbuffet laufen, um mich zu schonen, aber so ein Gespräch mit Ihnen ist der wesentlich größere Stress, dass kann ich garantieren.“</p>
<p>Sie versucht ein bisschen locker zu lassen, wie ein Pittbull, der gerne auf sein Herrchen hören und den Hals des Mädchens loslassen würde, nur ist es leider zu spät, die Kieferstarre ist schon eingetreten.</p>
<p>„Ich weiß, dass Sie nur das Beste für Ihr Kind wollen, aber&#8230;“</p>
<p>„Selbst das können Sie nicht wissen. Vielleicht will ich gar nicht das Beste für mein Kind.“</p>
<p>Die Ärztin schaut mich entgeistert an.</p>
<p>„ Und vielleicht bin ich böse.“</p>
<p>Sie springt auf, rennt zur Tür und bespricht sich mit den Schwestern, wie ich zurücktransportiert werde.</p>
<p>Ich sitze auf dem Bett, wie eine Riesenkröte die gerade aus dem Schnabel eines Storches gefallen ist, und wundere mich über meine Entschiedenheit.</p>
<p>Ich weiß nicht ob ich richtig liege oder ob ich verrückt und unverantwortlich bin, aber eins weiß ich: wenn man mich versucht durch Angst und Schuldgefühle zu etwas zu zwingen,  muss ich einfach instinktiv Widerstand leisten. Wahrscheinlich habe ich doch zu lange in einer Diktatur gelebt.</p>
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